{"id":305,"date":"2025-08-19T12:15:51","date_gmt":"2025-08-19T10:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/nonkongress.noblogs.org\/?p=305"},"modified":"2025-08-19T12:16:54","modified_gmt":"2025-08-19T10:16:54","slug":"kritik-an-der-these-zur-entwicklung-eines-neuen-oekologischen-akkumulationsregimes-in-zeit-der-oekologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/nonkongress.noblogs.org\/?p=305","title":{"rendered":"Kritik an der These zur Entwicklung eines neuen \u00d6kologischen Akkumulationsregimes in \u201eZeit der \u00d6kologie\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Vorbemerkung:<\/p>\n<p>Leider konnte Achim Szepanski nicht pers\u00f6nlich zum Non-Kongress kommen. Wir haben ihn also nach bestem Wissen und Gewissen anhand von Zitaten aus seinen Texten mit dem Text &#8222;Zeit der \u00d6kologie&#8220; ins Gespr\u00e4ch kommen lassen. Die Ver\u00f6ffentlichung hier erfolgt nach seinem Tod. Wir gedenken seiner.<\/p>\n<p>Zitat-Gespr\u00e4ch:<\/p>\n<p>Achim Szepanski hat eine kritische Position gegen\u00fcber der These des neuen \u00f6kologischen Akkumulationsregimes. Er spricht den gr\u00fcnen Technologien als Modernisierungsinnovationen nicht die notwendige Potenz zu, da die Krisensituation zu gravierend ist, als dass es in ihr eine dem Kapitalismus immanente Rekonfiguration geben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Hierzu schreibt er:<\/p>\n<p>\u201eDie durch alle Medien, von links bis rechts, von der Neoklassik bis zum Postkeynesianismus geisternde Debatte Stimulus versus Austerit\u00e4t bescheinigt den Staaten unverdrossen die Potenz, Krisen noch l\u00f6sen zu k\u00f6nnen, nur ist diese l\u00e4ngst ersch\u00f6pft. Die Profitraten in der Industrie stagnieren, w\u00e4hrend das ekstatische Wachstum des spekulativen Kapitals die Kluft zwischen orbital zirkulierendem Geldkapital und dem durch die Ausbeutung der Arbeitskraft geschaffenen Mehrwert st\u00e4ndig vergr\u00f6\u00dfert.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIm Gegensatz zur Medizin, in der die Krise die Heilung ausl\u00f6sen soll und damit verschwindet, geht die gegenw\u00e4rtige Polykrise anscheinend nicht vorbei, vielmehr scheint sie in Permanenz zu delirieren, ohne jeden Ausweg, alternativlos wie der Kapitalismus selbst. Darin liegt f\u00fcr Marxisten die makro\u00f6konomische Implikation, dass Krisen im heutigen Kapitalismus zumindest ihre reinigende Funktion verloren haben; das Kapital braucht sie vielmehr, um seine chronische Ohnmacht zu verbergen. Was sich also \u00e4ndert, ist die epistemische Funktion der Krise,\u201c die er als Polykrise mit sich verschr\u00e4nkenden Teilen beschreibt.<\/p>\n<p>Die Rationalit\u00e4t des Modellierbaren, des Wissbaren und des Vorhersehbaren w\u00fcrde zusammenbrechen in der Polykrise. Deshalb ist ein gewollter Sprung mit der gr\u00fcnen Technologie aus dieser Perspektive nicht machbar: dem Kapitalismus ist angesichts der Polykrise keine \u201eHeilung\u201c m\u00f6glich durch ein gr\u00fcnes Wachstum, durch ein \u00f6kologisches Akkumulationsregime.<\/p>\n<p>Zudem zeichne die Polykrise aus: \u201eIn Zeiten der Katastrophe vermischen sich Realit\u00e4t und Fiktion. Der globale Informationskrieg ist derzeit angesichts des Ukraine- und des Gaza-Krieges in vollem Gange. Verschiedene Versionen der Realit\u00e4t prallen immer offener aufeinander. Es gibt nicht mehr wie in der alten Welt nur eine Realit\u00e4t. Das ist genau das, was Baudrillard unter Hyperrealit\u00e4t versteht.\u201c Darin wird der \u00bbhomo catastrophicus\u00ab produziert. Hier liegt sicherlich eine Gemeinseinsamkeit von &#8222;Zeit der \u00d6kologie&#8220; mit Szepanski vor, da der \u00bbhomo catastrophicus\u00ab auch als Tr\u00e4ger eines \u00d6kologischen Akkumulationsregimes bezeichnet werden kann.<\/p>\n<p>Achim Szepanskis Grundbeobachtung lautet: \u201eDer Weltkapitalismus scheint in einen paradoxen, einen beschleunigenden und zugleich ersch\u00f6pfenden Panik-Modus \u00fcbergegangen zu sein, in dem die Ekstatik des <em>\u00dcber<\/em> als \u00dcberakkumulation und \u00dcberspekulation auf die destruktiven Aktivit\u00e4ten des Kapitals trifft, insbesondere hinsichtlich der Kapitalisierung der Natur und der Erzeugung einer globalen Surplus-Bev\u00f6lkerung.\u201c Das \u00dcber w\u00fcrde auch wirkm\u00e4chtig in der nichtlinearen Entwicklung der \u00dcberverschmutzung, wie es die Geschichte des Kapitalismus aufzeigt: jedes neue \u00f6kologische Regime hat nicht nur mehr Abfall produziert, sondern auch qualitativ neue und giftigere Formen von Abfall.<\/p>\n<p>Statt am Horizont ein gr\u00fcnes Modernisierungsprojekt des Kapitalismus ausmachen zu k\u00f6nnen ist aus Szepanskis Sicht vor allem die (\u00dcber-) Spekulation das Fundament weiterer Entwicklung. Er schreibt:<\/p>\n<p>\u201eMit der Ekstatik des spekulativen Kapitals verschwindet die fordistische Produktion der Fabrik im globalen Norden, um in allen m\u00f6glichen Wucherungen im globalen S\u00fcden weiter zu existieren. Unterdessen k\u00fcndigt das finanzielle Kapital den Sieg einer schwerelosen digitalen \u00d6konomie an, die sich einerseits von der \u201eReal\u00f6konomie\u201c weitgehend befreit hat und sich der autoreferentiellen Spekulation \u00fcberl\u00e4sst, und andererseits die Real\u00f6konomie an den Finanzm\u00e4rkten immer wieder kontrollieren muss, so dass von einer absoluten Losl\u00f6sung des finanziellen Kapitals gegen\u00fcber dem Industriekapital nicht gesprochen werden kann. <em>Es ist aber nicht die Real\u00f6konomie, welche die Finanz\u00f6konomie vorantreibt, sondern es ist umgekehrt die Finanz\u00f6konomie, welche die Real\u00f6konomie strukturiert<\/em>. Dabei gilt es stets zu ber\u00fccksichtigen, dass der \u201eWert\u201c eines finanziellen Investments dem kapitalistischen Produktionsprozess nicht nachgeordnet ist, sondern ihm vorausgeht. Er existiert nicht, weil Mehrwert produziert wurde, sondern weil das finanzielle Kapital zuversichtlich ist, dass die Realisierung von Renditen in der Zukunft stattfinden wird. [&#8230;]<\/p>\n<p>Derivate stehen heute im Mittelpunkt der Spekulation, und sie sind bis zu einem gewissen Grad vom Preis des zugrundeliegenden Verm\u00f6genswerts, wie z. B. \u00d6l, abgekoppelt, wenn auch nicht v\u00f6llig entkoppelt. Es werden heute wesentlich mehr Derivate und Terminkontrakte ge- und verkauft als Barrel \u00d6l gehandelt werden.\u201c &#8230;und erst recht als mit Solarpanels und E-Autos gehandelt wird.<\/p>\n<p>Aus Achim Szepanskis Analyse stellt sich die Frage an die Position des \u00f6kologischen Akkumulationsregimes: Ist \u00fcberhaupt damit zu rechnen, dass sich ein neues Akumulationsregime innerhalb des krisenhaften Kapitalismus entwickeln kann \u2013 verf\u00fcgt der niedergehende Neoliberalismus noch \u00fcber die notwendige Kraft, eine neue Form der kapitalistischen Verstetigung unter dem Paradigma der \u00d6kologie zu entwickeln? Oder l\u00e4uft alles auf eine Implosion hin, in der es kein Danach gibt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorbemerkung: Leider konnte Achim Szepanski nicht pers\u00f6nlich zum Non-Kongress kommen. 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